Tag der Offenen Tür bei Fresh Forward

Am 7. Mai veranstaltete der Veredlungs- und Züchtungsbetrieb Fresh Forward einen Tag der offenen Tür. Drei Jahre nach der Errichtung des Betriebes sind letztendlich alle Aktivitäten – Züchtung, Marketing und Administration - auf einen Standort in Eck-en-Weil in Niederlanden konzentriert worden. Die Züchtung war schon seit 2006 in die Provinz Gelderland umgezogen. Die Büros von Fresh Forward Licensing und Marketing blieben noch auf dem PRI in Wageningen ansässig.


Das frühere Selektionsprogramm von PRI (zuvor bekannt unter IVT und CPRO) wurde Ende 2005 privatisiert. Zu diesem Zweck wurde Fragaria Holland, ein Konsortium von sechs Erdbeerpflanzenvermehrern (Flevoplant, Van Alphen, De Kemp, Neessen, Kovaka und Rapo), gegründet. Die Züchtung zog von Elst, nahe Wageningen, nach Eck-en-Weil, ungefähr 30 km westlich von Wageningen, um. Dort wurde ein Gewächshaus von 4 000 m2 mit einer Betriebswohnung gekauft. Auf dem Betrieb waren zudem schon einige Tunnels und ein Trayfeld vorhanden, so dass die Gesamtfläche mehr als einen Hektar heute beträgt.

In seiner Eröffnungsrede begrüßt Wim Aalbersberg, Direktor von „The Fruit Firm“ Fresh Forward, die Besucher am neuen Standort. Mehr als 130 Gäste - aus Vermehrungsbetrieben, Fruchthandel, und Erzeugerorganisationen sowie auch Berater – waren der Einladung gefolgt und erhielten in der laufenden Saison einen Einblick in den Gewächshauskomplex und die neueingerichteten Büros.

Fresh Forward steht auf zwei Standbeinen, dies ist einerseits der Bereich Lizenzrecht/Marketing und andererseits die Erdbeerzüchtung.

Wim Aalbersberg berichtete auch über die Abteilung „Fresh Forward Marketing, die einen Viertel der Mitarbeiter beschäftigt. Diese Abteilung hat die Aufgabe, alle Sorten, die unter Lizenz in den Verkehr gebracht werden, zu vermarkten und dabei auf die Wahrung des Schutzes von Züchter- und Markenrecht zu achten. Fresh Forward besitzt die Lizenzen an den neuen Erdbeersorten `Salsa´, `Sonata´, `Figaro´ und `Zumba´. Die Vermehrungsfläche der eigenen Sorten hat seit einigen Jahren die 200 ha-Marke überschritten. Diese Sorten werden unter Lizenz in verschiedenen europäischen Ländern vermehrt.

Zudem ist Fresh Forward auch für das Lizenzrecht und die Kontrollaufsicht der Sorten des PRI (`Elsanta´, `Lambada´, `Polka´, `Korona´ etc.) als auch von andern Züchtern (z.B. für `Isaura´) verantwortlich. Seit letztem Jahr betreibt Fresh Forwards ebenfalls Kontrollaufsichten im Auftrag von Planasa/Darbonne über die Vermehrung von Erdbeersorten wie `Darselect´ und `Darroyal´. Daneben wird dieselbe Tätigkeit noch für andere Kulturen u.a. Apfel, Birne, Crambe, Calendula, Iris, Lilie, Rose oder Hanf übernommen.

Einführung in den Markt

Auch einige neue Sorten wurden inzwischen durch Fresh Forward auf den Markt gebracht. Dazu wurden neue Selektionsnummern und Sorten in Zusammenarbeit mit den Vermehrungsbetrieben von Fragaria Holland getestet. In der Anfangsphase wurden diese neuen Sorten in Kooperativen und Handelsbetrieben gepflanzt. Ein bedeutender Partner in den Niederlanden ist die Greenery, eine führende Erzeugerorganisation mit dem Schwerpunkt rund um Breda. Gerard van Loon, Produktmanager von „The Greenery“, schätzte den Bedarf an neuen Sorten für den Markt ab. Vor einigen Jahren startete die Greenery mit der Einführung von `Sonata´. Insgesamt bewirtschaften die Mitglieder mehr als 500 ha Fläche Erdbeeren in Erdkultur und 80 ha Erdbeeren im Gewächshaus, dies entspricht ungefähr 45 % des niederländischen Areals. Inzwischen macht `Sonata´ ca. 40 % der Erdkultur aus, im Gewächshaus liegt der Schwerpunkt der Sorte im frühen Anbaubereich. Die Greenery führte vor einigen Jahren eine Premiumqualität im „Aromio“ Geschmackssegment ein, wo Sorten wie `Sonata´, `Lambada´ und `Ava´ zum Zuge kommen.

Am Tag der offenen Tür waren auch die gewerblichen Manager der Handelsbetriebe beispielsweise von Fresh Concept und Fruit World vertreten. Beide Betriebe haben sich bei der Markteinführung von `Figaro´ in den Niederlanden, Portugal, Spanien und Belgien engagiert.

Die Züchtung

Wichtiger Pfeiler der Fresh Forward ist die Abteilung „Züchtung“. Bert Meulenbroek, verantwortlich für die Züchtung bei Fresh Forward, gab bei dieser Gelegenheit einen Überblick über die Entwicklung der Erdbeersorten in den zurückliegenden Jahren. Zusammen mit Kees van Miltenburg, führte er danach einen Rundgang durch die Gewächshäuser mit fachkundigen Erläuterungen durch.

Fresh Forward beurteilt pro Jahr 40 000 Sämlinge. Ein guter Geschmack und eine gute Haltbarkeit, verbunden mit ökonomischen Anbaumöglichkeiten, sind die bedeutendsten Anforderungen, die an die Sorten gestellt werden. Dabei müssen die Züchter einen Kompromiss beim Ausselektieren einer neuen Sorte finden, denn schließlich sollen sowohl Konsument, Züchter als auch Handel mit der Qualität der Erdbeeren zufrieden sein. Das Ziel der Veredelungsprogramme ist die Entwicklung von neuen Sorten, die für professionelle Erdbeeranbauer geeignet sind. Dies betrifft sowohl Sorten für den klassischen Handel (Versteigerung, Zwischenhandel) als auch den Direkt- oder den Hofverkauf.

Bei den einmaltragenden Sorten richtet sich das Programm auf die Entwicklung eines vollständigen Sortiments sehr hochwertiger früher bis später Sorten für Nord- bis Mitteleuropa. Vor wenigen Jahren wurde auch in Spanien mit einem Züchtungsprogramm gestartet. Parallel lauft eine Züchtungsuntersuchung mehrmalstragender Sorten, wobei nach einer Sorte gesucht wird, die früh in Produktion tritt, über gute Qualitäts- und Anbaueigenschaften verfügt und solange wie möglich unter Beibehaltung dieser Qualitätseigenschaften trägt.

In Eck-en-Weil stehen neben einem Gewächshaus zwei Folientunnel, ein Trayfeld für die Aufzucht, ein Zelt und eine Freilandparzelle zur Verfügung. Im Gewächshaus werden die Kreuzungen vollzogen, die Sämlinge aufgezogen und vorselektiert. Das ganze Verfahren findet auf Substrat statt. Jeder Sämling wird erst zu Traypflanzen aufgezogen und danach in Topfkultur zur Produktion gebracht und selektiert. Dadurch, dass die Pflanzen im Gewächshaus in einer hohen Pflanzdichte und in verschiedenen Zuchtdurchgängen aufgezogen werden, kann eine Vielzahl von Sämlingen beurteilt werden (etwa 40 000 pro Jahr).

In den läusefreien Tunneln werden verschiedene Sorten und Selektionen für die weitere Selektionsarbeit kultiviert. Bert Meulenbroek erwartet in naher Zukunft wieder die Einführung einer mittelfrühen Kurztagsorte sowie einer späten Sorte.

Philip Lieten, Fragaria Holland

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