Gewusst wie in Sachen Spargel

Schulung zum Spargelstechen im Betrieb Bonnacker

Im Moment ist das noch Zeitlupenstechen, das ist aber nicht schlimm, das Tempo kommt von alleine“ tröstet Ralf Große Dankbar, Berater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, die Teilnehmer seiner Spargelschulung aus Rumänien und Polen auf dem Betrieb Bonnacker in Nettetal-Kaldenkirchen am Niederrhein.

An der Schulung zum Spargelstechen nehmen zehn Erntehelfer aus Rumänien und elf aus Polen teil. Für die Rumänen ist alles noch Neuland, sie stechen zum ersten Mal Spargel. Ein externer rumänischer Dolmetscher sorgt für die reibungslose Kommunikation zwischen den Saisonhelfern und dem Berater. Die polnischen Hilfskräfte sind schon geübter. Sie haben einen Kollegen als Übersetzer an ihrer Seite, der schon im 7. Jahr als Spargelstecher auf dem Betrieb arbeitet.

Der Berater der Landwirtschaftskammer demonstriert den Erntehelfern an einer freigelegten Spargelpflanze die Arbeitsschritte und begründet die Vorgehensweise. Anhand dieser Pflanze werden grundlegende Fragen beantwortet, wie: „Warum soll der Spargel von oben gestochen werden und nicht von der Seite?“ oder auch „Wie viele Pflanzen stehen auf einem Hektar?“, „Wie viel Spargel ernte ich denn auf einem Hektar“, fragt der Berater und erklärt den Umstehenden, welche Rolle es spielt, wenn der Einzelne nur eine Stange pro Pflanze weniger sticht. Große Dankbar betont, wie wichtig es ist, die Saisonhelfer über die Hintergründe zu informieren. Nur so werden sie sich ihrer tragenden Bedeutung für den Betrieb bewusst. „Das ist genauso wichtig wie das Können“.

Besonders die einzelnen Arbeitsschritte wie Aufgraben, Stechen und Folie aufdecken stehen im Vordergrund. Der Berater weist darauf hin, dass „man nicht nur an heute denken muss, sondern auch an die nächsten Tage“ und übt immer wieder das korrekte und mit wenig Kraftaufwand zu bewerkstelligende Aufdecken der Folie. Außerdem begründet er, warum das dichte Abdecken der Dämme so wichtig ist „selbst unter der Folie, wenn diese nicht ganz geschlossen ist, wird der Spargel rosa, besonders auch an den Löchern, die nicht geschlossen wurden“. „Keine Sonne, kein Spargel, aber bei zu viel Sonne wird Spargel violett. Jetzt ist er weiß, aber in drei Stunden ist er violett. Gute Qualität wird gut bezahlt, und die Folie ist wichtig für die gute Qualität“. Das dürfte wohl jedem einleuchten.

Das Stechen nimmt einen großen Teil der Schulungszeit in Anspruch. Zu Beginn wird das Stechen der gesamten Gruppe demonstriert, wobei auch einzelne Gruppenmitglieder zum Vormachen motiviert werden. „Jetzt sagt mal jemand, was verkehrt war“, fordert Ralf Große Dankbar die Zuhörer auf und erörtert mit ihnen gemeinsam das Vorgehen. Er macht den Erntehelfern deutlich, wie wichtig das sorgfältige, genaue Arbeiten ist. „Nicht zu kräftig stechen, etwas aufpassen, hier unten ist die Knospenanlage“ und zeigt mit dem Finger auf die Pflanze. „Wenn ich zu kräftig steche und die Knospenanlage verletze, geht die Pflanze kaputt, dann droht Krankheitsbefall z.B. durch Fusarium“. Er erläutert den Erntehelfern auch, wie sie die einzelnen Stangen anfassen müssen und was zu tun ist, wenn die Stange beim Stechen nicht getroffen wird. Schließlich erklärt er, wie das Loch auf die richtige Art und Weise wieder geschlossen wird und warum das so sein muss „Wenn der Damm fest ist, bleibt der Kopf geschlossen und weiß“.

Probleme mit dem Messer einzelner Teilnehmer nutzt Große Dankbar um die Bedeutung eines scharfen Stechmessers zu verdeutlichen „stumpfes Messer – schwere Arbeit“. Er erklärt auch, wie das Werkzeug anzufassen und wie es beim Stechen zu halten ist.

Die ganze Zeit über dürfen Fragen gestellt werden. Sie werden alle ruhig und geduldig mit Hilfe des jeweiligen Dolmetschers beantwortet. Zu guter Letzt erkundigt sich der Berater, ob noch Fragen offen sind.

Dann geht es an das große Stechen. Die Teilnehmer gehen alle in einen bestimmten Abschnitt der Reihen und stechen allein. Der Berater geht aufmerksam die Reihen ab und guckt bei jedem Einzelnen, wie dieser sticht und gibt individuell Tipps, verbessert und lobt. Die Polen und Rumänen zeigen ihre Ernteerfolge und er fällt sein Urteil. „Alte Stangen sind gut zum Zeigen, vor allem, wie Stangen nicht aussehen sollen und wie sie aussehen, wenn etwas falsch gemacht wird“, erklärt der Spargelberater und demonstriert an einer auf dem Feld liegenden Stange das soeben erwähnte.

Jetzt wird auch wieder das korrekte Aufschlagen der Folie geübt und noch einmal darauf hin gewiesen, wie wichtig es ist, dass die Folie am Dammende gut befestigt ist. „Wenn ich hier Spargel sehe und da Spargel, dann kann ich viel schneller stechen“.

Weil in zwei Gruppen gestochen wird, übt die erste Gruppe nach einiger Zeit alleine weiter und Ralf Große Dankbar widmet sich aufmerksam der zweiten Gruppe. Es können durchaus Gruppen mit einer Stärke bis zu 50 Personen geschult werden, diese werden dann aber geteilt. Bei einer Gruppenstärke von 12 Personen dauert die Einführung etwa eine Stunde. Bei einer größeren Gruppe dauert die Einführung entsprechend länger oder die Gruppe wird geteilt.

Spargelschulung auf dem Hof Bonnacker

Der Hof Bonnacker lässt seine Erntehelfer laut Willi Bonnacker sen. „seit der Einführung der neuen Erntemethode vor etwa vier Jahren“ durch die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen schulen. Das Stechen soll den Mitarbeitern so angenehm wie möglich gemacht und ihnen die Arbeit durch technische Feinheiten erleichtert werden. Gleichzeitig wird ihre Leistung verbessert, so dass sie mehr Geld verdienen und zufriedener sind. Daneben erhofft sich Bonnacker durch den optimalen Arbeitsablauf einen höheren Ertrag pro Hektar.

Willi Bonnacker sen. erkennt aber auch Probleme. Besonders bei den alteingesessenen Spargelstechern sind diese vorhanden weil sie aus seiner Sicht „nur schwer umzustrukturieren“ sind. Die neuen Erntehelfer sollen sofort richtig geschult werden und die einzelnen Arbeitsschritte korrekt lernen. Um das zu unterstützen werden die neuen und die alten Erntehelfer auf den Feldern getrennt. „Ich hoffe, der Effekt trägt sich als Schule unter den Leuten weiter“.

Insgesamt arbeiten auf dem Betrieb zur Spargelsaison 125 Erntehelfer aus Rumänien, der Türkei und Polen. Die Rumänen sind allerdings nur mit 20 Personen und die Türken mit 18 Personen vertreten. Bonnacker berichtet, dass drei Viertel der Saisonkräfte schon seit Jahren auf den Betrieb kommen und zu den „alten“ Leuten gehören. Zurzeit ist der Betrieb etwas überbesetzt, aber als alter Hase hofft er, dass bei gutem Wetter einen Teil seiner Saisonkräfte schon in die Erdbeeren geschickt werden können.

 

Spargelschulung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Die Schulungen der Spargelstecher sind besonders wichtig, um die Qualität des Spargels zu verbessern und die Erntemenge zu erhöhen. „Der Verlust ist mit einer Schulung um 1-2 t pro Hektar geringer als ohne Schulung“ erläutert Ralf Große Dankbar, neben Markus Dohmann einer der beiden Spargelberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Seit acht Jahren bietet die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ihren Klienten die Möglichkeit, Spargelschulungen zu buchen. Dabei werden den Erntehelfern sechs Arbeitsschritte theoretisch und praktisch erläutert. Die Gruppen sind maximal 50-60 Personen stark, eine Mindestgruppengröße gibt es nicht. Sind in einem Betrieb 150 Saisonkräfte zu schulen, wird diese große Gruppe in drei kleinere Gruppen aufgeteilt. In der Regel dauert eine Schulung bei einer Gruppenstärke von 15-20 Teilnehmern etwa 1,5 Stunden. Bei einer größeren Gruppe verlängert sich die Schulungszeit entsprechend (50 Personen etwa drei Stunden).

In der Regel finden pro Tag zwei Schulungen statt. Das ist jedoch abhängig von den Gruppengrößen und der Entfernung der Betriebe zueinander. Der tägliche Beginn der Schulungen richtet sich nach den betrieblichen Abläufen. Wo das Spargelstechen morgens um 7.00 Uhr beginnt, stehen auch die Berater für die Schulung um 7.00 Uhr parat.

Die Termine für die Spargelschulungen liegen je nach Beginn der Erntezeit, vor allem in den ersten drei Wochen der Spargelsaison. Danach werden Nachkontrollen und Nachschulungen durchgeführt, um eventuelle Fehler auszumerzen.

Wer eine Schulung für seine Erntehelfer im April in Anspruch nehmen möchte, sollte spätestens im Januar die Spargelberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen kontaktieren. Danach können aus organisatorischen Gründen keine Termine mehr angenommen werden.

Ein Vorgespräch findet mit dem Betriebsleiter oder dem Vorarbeiter vor der Saison (Anfang März) statt. Das ist als Inhalt im „Beratungsangebot Arbeitswirtschaft“ der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen enthalten und dient zur Klärung grundsätzlicher Fragen und betrieblicher Abläufe wie der Ernteorganisation, der Entlohnung der Saisonarbeitskräfte und der Personalstrukturplanung während der Spargelernte. Außerdem müssen innerbetriebliche Vorbereitungen getroffen werden wie die Bestellung eines Dolmetschers und die Bereitstellung der richtigen Arbeitsgeräte. Hat ein Spargelanbauer das „Intensivberatungspaket Arbeitswirtschaft“ gebucht, erhält er vorbereitend nicht nur ein Gespräch, sondern eine einzelbetriebliche und individuelle Analyse der Ist-Situation vor und während der Saison. Das eröffnet ihm die Chance, Probleme sofort oder spätestens in der folgenden Saison zu lösen.

Nach der Saison ist vor der Saison. In Zukunft sollen die alten Fehler vermieden werden, was eine Nachbereitung erforderlich macht. Wie ausführlich diese ausfällt, hängt davon ab, ob der Betriebsleiter die einfache Schulung (Beratungsangebot Arbeitswirtschaft) oder die Intensivschulung (Intensivberatungspaket Arbeitswirtschaft) gebucht hat.

Das Beratungsangebot Arbeitswirtschaft beinhaltet eine Nachkontrolle, die etwa ein bis zwei Wochen nach der Schulung erfolgt. Dabei soll die Umsetzung der Schulungsinhalte nach der Vorgabe des Betriebes überprüft werden. Bei Bedarf wird zu diesem Zeitpunkt eine weitere Nachschulung durchgeführt, um noch bestehende Fehler auszumerzen.

Das Intensivberatungspaket beinhaltet eine Reflektion der Beobachtungen und Erkenntnisse aus der vergangenen Spargelernte nach der Saison oder zum Ende des Jahres, um sich für die kommende Ernte noch besser vorbereiten und wappnen zu können. Zu diesem Zweck wird gemeinsam mit dem Betriebsleiter oder dem Vorarbeiter ein Maßnahmenkatalog für die kommende Erntezeit erarbeitet.

Willi Bonnacker selbst steht hinter dem Intensiv-Beratungsangebot der Landwirtschaftskammer NRW, da die Kosten für die Beratung nun seit Jahren nur wenige Prozent des zusätzlichen Gewinnes ausmachen.

Imke Köhler
Suchen und finden
Anmeldung

für das Seminar: Unternehmertage Spargel und Erdbeer 2009