Phytophthora cactorum bei Erdbeeren

Erdbeerpflanzen sind anfällig für eine Vielzahl von Wurzelkrankheiten. Die am häufigsten Auftretende davon ist wahrscheinlich die Rhizomfäule (Phytophthora cactorum). Dieser Pilz ist zwar weltweit verbreitet, doch findet er vor allem in wärmeren Gebieten besonders gute Wachstumsbedingungen.

Wirtspflanzen

P. cactorum ist auf einer Vielzahl von Pflanzen anzutreffen, vornehmlich allerdings bei denen der Gattung Rosaceae wie zum Beispiel bei Äpfeln, Birnen, Erdbeeren und anderen Beerenarten. Der Pilz überlebt auch auf Gemüsekulturen wie Rhabarber, Melonen, Gurken und Tomaten sowie auf einigen Zierpflanzenarten (Rhododendron, Lilien, Hibiscus, Pelargonium etc.) und holzartigen Gewächsen (Ahorn, Buche, Walnuss, Kiefer und Eiche). Doch der pilzliche Schaderreger hat auch natürliche Feinde, darunter die Bakterien Bacillus cereus, Bacillus subtilis, Entrobacter aerogenes und Pilze wie Trichoderma.

Anfälligkeit der Erdbeersorten

Die Anfälligkeit der verschiedenen Erdbeersorten gegenüber Phytophthora cactorum beruht vor allem auf der jeweiligen genetischen Resistenz. Allerdings spielt das Anbauverfahren auch eine große Rolle bei der späteren Anfälligkeit der Pflanze: einige Sorten entwickeln ihr Rhizom sehr tief im Boden, wodurch sie einfacher Opfer eines Parasitenbefalls werden. Deshalb ist bei diesen Sorten besondere Vorsicht bei der Pflanzung geboten. So ist `Sonata´ beispielsweise anfälliger als `Elsanta´ und `Figaro´ ist wiederum resistenter als `Elsanta´.

Tab. 1: Übersicht der Sorten und ihre Anfälligkeit gegen P. cactorum

Anfälligkeit

Sorten

Sehr anfällig

`Avanta´, `Tamella´, `Catalina´, `Diamante´, `Gaviota´, `Kimberly´, `Sonata´, `Honeoye´, `Korona´, `Polka´, `Jonsok´, `Sophie´, `Vima Zanta´, `Gerida´, `Elvira´, `Malling Pearl´, `Florin´, `Elkat´, `Dania´, `Salsa´

Anfällig

`Elsanta´, `Holiday´, `Palomar´, `Sweet Charlie´, `Ventana´, `Lambada´

Wenig anfällig bis tolerant

`Ciflorette´, `Darselect´, `Everest´, `Florence´, `Alice´, `Bolero´, `Tango´, `Charlotte´, `Camarosa´, `Aromas´, `Marmolada´, `Symphony´, `Chandler´, `Figaro´, `Pajaro´, `Gaviotta´

Resistent

`Albion´, `Camino Real´, `Parker´, `Galexia´, `Galante´, `Pavana´, `Senga Sengana´, `Sure Crop´, `Scott´

Entwicklungszyklus

Phytophthora cactorum ist in einem weiten Temperaturspektrum von 5 °C bis 30 °C aktiv. Die Rodeperiode im Juli/August gilt als besonders infektionsreich.

Der Pilz verbreitet sich auf verschiedenartige Weise. Die Stängelbasisfäule überlebt in der Ruhephase, nämlich als Oosporen und Chlamydosporen. Beide Formen ernähren sich von Pflanzenabfällen und können so auch ohne Wirtspflanze drei bis vier Jahre im Boden überleben. Sie sind das primäre Infektionsmaterial, das in Pflanzen oder im Boden vorhanden ist.

Die Pilzhyphen bilden sich bei niedrigen Temperaturen (unter 4 °C) im Ruhezustand in Chlamydosporen um, die später über vegetative bzw. asexuelle Fortpflanzung wieder keimen und sich zurückentwickeln.

Die Bildung von Oosporen durch Pilzhyphen wird hingegen durch generative (sexuelle) Fortpflanzung realisiert. Hierbei befruchtet das männliche Antheridium das weibliche Oogonium auf den Pilzhyphen. Die Oosporen keimen dann nach der Winterruhe, sobald die Temperatur 10 bis 12 °C überschreitet und ausreichende Feuchtigkeit vorhanden ist. Optimale Bedingungen finden die Kleinstlebewesen bei ca. 22 °C vor. Die keimenden Sporen entwickeln sich dann zu Pilzhyphen, die sich anschließend in den Gefäßbündeln der Erdbeerpflanzen festsetzen. Folge sind dann die bekannten Verwelkungserscheinungen. Durch das Abschaben des Rhizoms oder der Wurzeln kann man die Oosporen bis in die Gewebezellen zurückverfolgen.

Im Zuge der vegetativen Fortpflanzung bei höheren Temperaturen entwickeln sich aus den Pilzhyphen Sporangioforen mit einem Sporangium. Darin sitzen dann ca. 50 Zoosporen, die sich bei Temperaturen zwischen 10 und 22 °C und feuchtem Boden verbreiten. Die Zoosporen spielen aber wahrscheinlich erst etwas später in der Saison (Ende Juni/Anfang Juli) eine Rolle. Sie verbreiten sich über Wasser, Wind und Regen.

Diese mobilen Zoosporen infizieren über Wunden und entwickeln auf diese Weise Pilzhyphen in den Gewebezellen der Pflanzen. Frigopflanzen, die bereits auf Grund von Kühlschäden Wunden aufweisen, sind besonders anfällig gegenüber Infektionen durch Zoosporen. Das kann schon direkt nach dem Pflanzen geschehen, wenn durch intensive Bewässerung die Sporen an der Bodenoberfläche mobil sind. Wunden am Rhizom oder der Ranke stellen einfache Zugänge für Phytophthora cactorum dar und gewähren dem Erreger direkten Zugang in das Gewebe. Auf die gleiche Art und Weise werden auch die Zoosporen nach sommerlichen Regengüssen verbreitet und sorgen für die Lederfäule auf grünen und reifenden Erdbeerfrüchten.

Der Befall

Die im Boden vorhandenen Oosporen oder die infizierten Pflanzen bilden die Basis für die Ansteckung. Stängelbasisfäule ist oft in schlecht drainiertem Böden und schweren Böden mit einer feineren Textur anzutreffen. Doch vor allem an Orten wo Wasser steht (z.B. in Traktorspuren), Wasser von abschüssigen Parzellen abfließt und in durchgeweichten, schlammigen Böden können sich Phytophthorasporen einfach verbreiten.

Die Zoosporen sind auch im Boden vorhanden und gelangen durch diesen - über kleine Wunden am Rhizom oder den Ranken - in das Pflanzeninnere. Die Sporen entwickeln sich am Besten bei wärmeren Temperaturen (20-25 °C) und feuchtem Wetter. Zwar ist Phytophthora ein Bodenpilz, doch kann dieser auch bei der Substratkultur auftreten. Vor allem in nassem Torf mit wenig Sauerstoff kann die Prozentzahl des Ausfalles sehr hoch sein. Insbesondere stecklingsvermehrte Pflanzen, die bei hohen Temperaturen und unter konstanter Bewässerung gezüchtet wurden, sind extrem sensibel gegenüber einer Pilzinfektion. Deshalb ist ein Überschuss von Wasser zu vermeiden, um den Zoosporen keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.

Wenn die Infektion recht spät Ende August oder September vonstatten geht, sind oft keine Symptome mehr zu erkennen, da die Aktivität des Phytophthora-Pilzes mit der Temperatur gegen Oktober/November abnimmt. Die Infektion bleibt allerdings latent vorhanden und kommt meist nach der Lagerung im Kühlhaus oder nach dem Austrieb im Frühjahr zum Vorschein. Der Pilz „erwacht“ dann aus seinem Winterschlaf und entwickelt sich erfolgreich mit Folge der bekannten Symptomen.

Erste Symptome der Wärme erkennbar

Die ersten Symptome einer Stängelbasisfäule kommen bei Wärme, ein paar Wochen nach dem Stecken oder nach dem Pflanzen der Frigos zum Vorschein. Auf Ertragsflächen kommen die ersten Symptome deutlich in Form von blühenden, grünen Früchten zur Geltung. Bei Pflanzungen im Gewächshaus treten aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen Februar und März Verwelkungen bei zunehmender Verdunstung auf. Typisch ist, dass das Herzblatt sich einfaltet und verwelkt. Die übrigen Blätter erhalten einen dunkelgrünen bis bläulichen Schein. Später verfault auch die Hauptkrone. Die Wurzelbildung ist normal, doch bemerkt man nach einem Durchschnitt des Rhizoms eine Verkorkung an der Basis. Die angefallenen Gewebezellen verfärben sich noch wässrig gelb und werden später dunkelbraun und verkorken. Daraus leitet sich auch der Name Stängelbasisfäule ab.

Wie Durchschnitte des Rhizoms zeigen, beginnt die Verkorkung oft im oberen Teil der Pflanze und breitet sich dann über die Ausläufer nach unten aus. Infizierte Pflanzen knicken durch die Verkorkung einfach kurz oberhalb des Bodens ab. Wenn die Infektion der Pflanze durch Hagel oder Regen ihren Ursprung in den Blattachseln hat, erkennt man beim Durchschneiden wieder kleine, braune Streifen an den Übergangsstellen zwischen Stielen und Wurzelstock. Phytophthora cactorum unterscheidet sich allerdings von Frostschäden, in dem sich in der letzten Phase die typische gelb-bräunliche Färbung des Rhizoms äußert. Stängelbasisfäule unterscheidet sich von Antraknose durch eine dunklere Braun-Färbung des Rhizoms.

Maßnahmen gegen Phytophthora cactorum

Es gibt einige Vorgehensweisen, um eine Infektion mit P. cactorum zu vermeiden. Basisprinzipien sind allerdings die Nutzung eines guten Ausgangsmaterials sowie gesunden und gut drainierten Bodens und Substrates.

Kultur im Boden

Selbstverständlich ist es notwendig, beim Anbau von sehr anfälligen Sorten schon im Vorfeld P. cactorum besondere Aufmerksamkeit zu schenken und diese Pflanzen auf den bestgeeignetsten Parzellen anzubauen. Dabei ist besonders eine gute Bodenstruktur, die einen schnellen Abfluss des Wassers ermöglicht, wichtig. Nivellieren und drainieren (regelmäßige Kontrolle) kann feuchten Teilstücken und einer Bildung von Tümpeln in den Treckerspuren zuvorkommen, da hier vor allem die Gefahr einer Infektion durch „Schwimmsporen“ besteht. Auch die Art und Weise der Bewässerung spielt eine Rolle: Sprinkler verteilen das Wasser gleichmäßiger als Wasserkanonen.

Das Abdecken der obersten Bodenschicht mit einer dünnen Schicht Kompost kann auch eine Art physische Barriere gegen Phytophthora- und Colletotrichumsporen sowie andere Schaderreger darstellen und das Infektionsrisiko minimieren.

Wichtig ist auch die Wahl der richtigen Vorkultur, die tiefe Wurzeln bilden und so für eine luftige Bodenstruktur sorgen soll. Es ist bereits bekannt, dass die Sporen der Ruhephase etwa drei bis vier Jahre überlebensfähig sind. Deshalb ist ein regelmäßiger Flächenwechsel mit entsprechenden Rotationsrhythmen besonders wichtig.

Anbau auf Substrat

Beim Anbau auf Substrat ist man früher davon ausgegangen, dass die Pflanzen vor Wurzelkrankheiten verschont bleiben. Jedoch weiß man heute, dass gegenteiliges der Fall ist. Diverse Sorten sind sogar anfälliger für P. cactorum in der Substratkultur im Vergleich zur Bodenkultur.

Substrat ist meist unzureichend drainiert oder bildet sauerstoffarme Zonen; eine optimale Vorraussetzungen zur Entfaltung von P. cactorum. In der Vergangenheit machte man schlechte Erfahrungen mit der Verwendung von zu fein gesiebtem oder schwarzem Torf, gerade in Verbindung mit zu geringen Sauerstoffgehalten und zu hohen Wasseranteilen. Deshalb wird bei der Kultur der Mutterpflanzen meist auf eine gut drainierte Mischung von Perlit und weißem Torf zurückgegriffen, da diese genügend Luftvolumen im Substrat ermöglicht. Für Traypflanzen wählt man eher ein feineres Torfgemisch, das gut durchlässig ist, aber nicht zu feucht bleibt.

Bei der Aufzucht von Traypflanzen ist es wichtig, jährlich sowohl das Trayfeld (Antiwurzeltuch) als auch die Pflanzkästen zu desinfizieren. Das Wurzeltuch kann einfach mit Mitteln gereinigt werden, die auf Wasserstoffperoxyd basieren (Jet 5). Diese, meist gegen pilzliche Schaderreger sehr effektiven Mittel, entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst nach einer vollständigen Befreiung des Tuchs von jeglichen organischen Resten und nach vorherigem Ausspülen mit Wasser. Ist dies nicht der Fall, wird das Peroxyd durch die organischen Stoffe deaktiviert und verfehlt seine Wirkung. Auch die Substratkästen sollten jährlich gereinigt werde, da sich hier besonders leicht Pilzhyphen und Sporen ansiedeln können. Dazu ist die erste Option das Abwaschen der alten Torfreste, die noch an den Kästen haften. Danach ist eine zweite Behandlung mit Desinfektionsmitteln wie Jet 5 empfehlenswert. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Pflanzkästen in Containern unter einer Plane mit Dampf zu reinigen. Die minimale Behandlungszeit sollte dabei 30 Minuten bei 90 °C nicht unterschreiten.

Bei der Anlegung des Mutterfeldes sollte unbedingt auf das Profil geachtet werden, um eine Tümpelbildung zu vermeiden. Zudem ist eine dicke Strohlage wichtig, da sonst die Ableger im Wasser liegen bleiben könnten. Beim Stecken sollte man drauf achten, die Ausläufer nicht zu sehr in die Kästen eindrücken, damit sich in den Löchern kein Wasser sammeln kann. Besonders in der Wachstumsphase ist es wichtig, die Jungpflanzen schnell zur Entwicklung zu bringen und gleichzeitig eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen zu garantieren. Bei Mangel von Spurenelementen und Elementen wie Stickstoff, Calcium und Phosphor wachsen die Pflanzen nicht so gut und es wurde eine erhöhte Anfälligkeit festgestellt.

Bekämpfungsstrategie durch Fungizidbehandlung

Früher waren eine Vielzahl von Mitteln gegen P. cactorum erhältlich wie zum Beispiel die präventiv wirkenden Phenylamide oder Metalaxyl, Oxadixyl und Fluradaxyl. Diese Mittel sind nicht mehr zugelassen.

Momentan verfügt man in den meisten europäischen Ländern über zwei Produktgruppen nämlich die Phosphonate (Aliette) und die Morpholine (Paraat – in Deutschland nicht zugelassen). In Belgien ist auch noch Fenomenal (eine Kombination aus Fosethyl-Al mit Fenamidon) zugelassen.

Aliette WG gehört zur Gruppe der Ethylphosphonate. Im Handel ist es als wasserlösliches Granulat Aliette WG mit einem Fosethyl-Aluminium Anteil von 80 % erhältlich.

Der aktive Stoff Fosethyl-Aluminium greift nicht direkt den Pilz oder die Sporen an, sondern bildet in der Pflanze Polyphenole, die sich in den Nekrosen, den angegriffenen Zellen, ansammeln. Diese Polyphenole sind giftig für die Pilzhyphen, die als Gegenreaktion einen Abwehrstoff herstellen, der gleichzeitig das Pilzwachstum stoppt.

Um diese Abwehrreaktion in Gang zu setzen, ist nur eine minimale Dosis Aliette von Nöten. Die Anwendung dieses Mittels dient allein zur Vorbeugung. Da die Wirkung von Aliette nur etwa vier bis sechs Wochen anhält, sollte die Behandlung alle drei bis vier Wochen wiederholt werden, um den Mechanismus in Gang zu halten. Auf diese Art und Weise erhält Aliette eine lang anhaltende, präventive, fungistatische Wirkung. Die Aufnahme und der Transport verlaufen innerhalb der Pflanze in zwei Richtungen, nämlich von der Wurzel zum Blatt (aufwärts) und umgekehrt (abwärts) vom Blatt zur Wurzel. Aliette ist gespritzt, getaucht oder gegossen einsetzbar, wobei die beste Verteilung über das Spritzen möglich ist.

Das Fosethyl-Aluminium entwickelt sich einige Stunden nach der Anwendung zu Phosphorsäure und ist daher über europäische Normen und Gesetzgebungen auf 75 ppm limitiert.

Obwohl noch oft empfohlen wird, Phytophthora-Mitteln BCM-Mittel gegen die Verticillium-Welke zuzufügen, ist dieser Rat vollkommen unbegründet. Solche Mittel arbeiten nämlich antagonistisch: meist entsteht nach der Anwendung von BCM-Mitteln, Iprodione und Vinchlozolin mehr P. cactorum als vor der Anwendung. Fügt man dem Gemisch noch Carbendazim hinzu, tritt oft eine Ausflockung auf, wodurch das Aliette unzureichend von der Pflanze aufgenommen wird.

Da die Zugabe von Aliette WG in Wasser einen Abfall des pH-Werts zur Folge hat, ist es sinnvoll, Leitungswasser oder Quellwasser mit hohem pH zu verwenden, um diesen Effekt zu neutralisieren und einen akzeptablen pH-Wert zu gewährleisten.

Aliette wirkt am besten auf sandigen Böden. Auf lehmigen Böden bindet sich das Mittel vor allem an die Lehmpartikel (Al-Komplex) und steht so den Pflanzen nicht in vollem Maße zur Verfügung, so dass man in diesem Falle besser auf ein Alternativprodukt zurückgreift.

Kaliphosphat

Kaliphosphat ist registriert als Dünger und ist eine preiswerte Alternative zu Aliette. Es wird genau wie Fosethyl-Al in Phosphorsäure umgewandelt und hat eine vergleichbare fungizide Wirkung wie Aliette. Allerdings weist Kaliphosphat eine geringere Wirkung gegenüber Xanthomonas auf.

Bekämpfungsschemata

Einige Prinzipien sollten bei der Bekämpfung beachtet werden.

Aliette sollte eingesetzt werden, bevor es überhaupt zu Infektionen kommt: d.h. mindestens ein paar Tage bevor die Pflanzen vermehrt oder geschnitten werden.

Praktische Anwendung

Spritzen

Spritzen ist die gebraucherfreundlichste Methode. Allein im Fall von Aliette haben die Mutterpflanzen Vorrang gegenüber den anderen. Dieses systematische Mittel wird über die Blätter und Wurzeln aufgenommen. Doch auf nacktem Boden hat dieses Mittel keinen Effekt gegen P. cactorum. Auf diese Art und Weise kann man Kosten sparen. Auf das 20 cm breite Band sprüht man zu Beginn eine Dosis von 5 kg/ha und wenn sich das Feld mit Pflanzen füllt, kann man die Dosierung auf 7,5 kg bis 10 kg/ha erhöhen.

Im Bedarfsfall ist Phytophthora fragariae (Rote Wurzelfäule) in Deutschland Ende September durch eine Bandspritzung mit 'Aliette WG' zu bekämpfen. Die Aufwandmenge bei Bandspritzung beträgt 50 kg/ha in 5 000 l Wasser/ha. Diese Aufwandmenge ist entsprechend Bandbreite und Reihenabstand zu reduzieren, z.B. bei einer Bandbreite von 20 cm sind je lfm. Erdbeerreihe 1 g Aliette WG/100 ml Wasser auszubringen = 10-12,5 kg/ha Erdbeerfläche in 1 000-1 250 l Wasser/ha. Die Behandlung sollte nicht vor Nachtfrost erfolgen!

Eintauchen

Das Eintauchen von Frischpflanzen oder Frigopflanzen ist eine Möglichkeit, die allerdings eine Reihe von nachteiligen Gefahren mit sich bringt. Zum einen ist das Verfahren sehr arbeitsintensiv und die Gefahr ist groß, Krankheiten (Xanthomonas, Colletotrichum, Phytophthora) auf gesunde Pflanzen zu übertragen. Bei dieser Methode ist schwer einzuschätzen, wie lang man dieselbe Eintauchlösung gebrauchen kann, da mit der Zeit die Konzentration des aktiven Stoffs abnimmt.

Auf problematischen Standorten und/oder bei zweifelhaften Jungpflanzenherkünften sind vorbeugende Bekämpfungen gegen  Phytophthora cactorum (Rhizomfäule) notwendig. Gegen Rhizomfäule ist keine Bandspritzung ausgewiesen, nur Tauchbehandlungen mit 0,5 %iger Lösung. Die Pflanzen mit Wurzeln u. Blattherzen sind max. ca. 15-20 min zu tauchen und am selben Tag zu pflanzen. Zur Vermeidung von Pflanzenschäden sollte bis ca. sieben Tage nach dem Pflanzen leicht beregnet werden.

Philip Lieten, Fragaria Holland BV

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